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Der Landesfürst und andere Gewerken betrieben in der “silbernen Zeit Tirols” ab 1450 große Schmelzwerke im Unterinntal. Die Schwazer Fahlerze enthielten viel Silber. Um das begehrte Edelmetall aus dem Kupfererz gewinnen zu können, mußte es zuerst mit Blei angereichert werden. Das Bergwerk am Schneeberg wurde daher der Hauptlieferant für das zum Frischen notwendige Blei. Dieses war zeitweise sogar begehrter als das im Überfluß vorhandene Silbererz, da man ohne Bleizusatz das Silber aus dem Kupfererz nicht ausbringen konnte. Die Schwazer Schmelzherren, welche hauptsächlich auch deshalb Gruben am Schneeberg betrieben, waren somit gezwungen, den langen, beschwerlichen und kostenintensiven Erztransport nach Norden zu finanzieren.

Bei den Pochwerken und Scheidplätzen am Schneeberg wurde das Bleierz in Ledersäcke gefüllt und mit Saumtieren über die rund 2.700 m hohe Schneebergscharte ins Lazzachertal gesäumt.

Ein Samer führte sechs bis acht, in finanziell schlechten Zeiten sogar bis zu 20 Pferde. Der heutige Lehrpfad über die Schneebergscharte führt teilweise noch dem alten Saumweg entlang.

Im Talboden, bei der heutigen Ruine des Poschhauses, standen ein Erzkasten und Gasthaus für Zwischenlagerung und Unterkunft bereit. Ab hier erfolgte der Weitertransport mit Radschleifen oder bei Schnee auf Schlitten. Die tiefen Fahrrillen auf dem teilweise noch gut sichtbaren Pflasterweg durch das Lazzachertal weisen eindeutig darauf hin.

Im hinteren Ridnauntal standen mindestens drei Erzkästen, wovon einer dem Landesfürsten und zwei den Fuggern gehörten. Dem Landesfürsten wurde hier der ihm zustehende “Zehent” zugeteilt. Am Fuße des Magdalenenhügels unweit des heutigen Sonklarhofes stand eine Schmelzhütte. Bis 1713 wurde hier Erz geschmolzen und Silber und Blei gewonnen. Auch ein Gasthof – der “Hütterwirt” – später “Zum Steinbock” genannt - stand hier. Auf Landkarten ist der Ort heute noch als “Hütte” eingetragen.

Der Großteil des silberhaltigen Bleierzes wurde aber in zweirädrigen Wagen weiter nach Sterzing transportiert. Der Erzweg führte durch den sehr steilen und brüchigen Hang der Achenrainschlucht nördlich der Knappenkirche St..Magdalena nach Mareit, dann auf der linken Seite des Fernerbaches über Unterackern und Eisenstecken nach Sterzing.

Bei schadhaften Wegen nach Unwettern und Überschwemmungen wurde das Erz über Telfes und Tuins bis nach Sterzing gesäumt. Im 18. Jahrhundert baute man einen neuen, heute teilweise noch gut erhaltenen Fahrweg über Gasse und Durach nach Mareit, wodurch die stark erosionsgefährdete Achenrainschlucht vermieden werden konnte.

In Sterzing standen wiederum Erzkästen für die Zwischenlagerung bereit.

Ein Teil des Schneeberger, aber auch des Telfer und Pflerscher Bleierzes wurde in den Schmelzhütten in Wiesen und Grasstein geschmolzen. Der größere Teil wurde aber von Pferden in schweren,vierrädrigen Wagen über den Brenner bis nach Matrei und dann weiter auf der alten Salzstraße über Ellbögen und Patsch bis nach Hall gezogen. Ab hier erfolgte der Weitertransport in floßähnlichen Schiffen auf dem Inn bis zu den Schmelzhütten bei Brixlegg, Jenbach und Rattenberg. Die gesamte Transportstrecke war über 100 km lang. Die unterschiedlichsten Transportmittel kamen je nach Gelände, Jahrezeit und Beschaffenheit des Weges zum Einsatz.

Die Samer und Fuhrleute waren ausschließlich Bauern aus Passeier, Ridnaun und Sterzing.

Sie schlossen mit den Gewerken meist Verträge für fünf Jahre ab und konnten diese auch unter Druck setzen, da die Abhängigkeit vom gelieferten Bleierz zeitweise groß war. Der Erztransport erfolgte nur während des Sommers. Die Samer mußten zusätzlich den hochgelegenen Bergbau, dessen Umgebung längst abgeholzt war, mit Holz, Grubenholz, Holzkohle und sonstigem Bedarf, wie Beleuchtungsmaterial und Lebensmitteln versorgen. Das 83 ha große Waldstück im Lazzacher Tal trägt heute noch den Namen “Kohlwald” und stand ausschließlich dem Bergwerk Schneeberg zur Verfügung. Teilweise waren ganze Dörfer in das Bergwerksgeschehen und in den Erztransport eingebunden. Die neun Mairhöfe in Maiern im hintersten Ridnauntal waren durch Jahrhunderte verpflichtet, die Saumtiere voll zu versorgen und die Samer zu verköstigen, wenn sie Erz führten. Auf den Almen im Lazzacher Tal und am Schneeberg durften die Saumtiere weiden.
Neben dem Erztransport hatten die Schneeberger Samer und Fuhrleute einen zusätzlichen wichtigen Auftrag zu erfüllen: Sie mussten Wein und Essig vom Kelleramt (landesfürstliches Güterverwaltungsamt) in Meran an den Hof nach Innsbruck bringen. Grundsätzlich erfolgte dies in den Monaten, in denen der Erztransport nicht möglich war.

Beim “Frischen” wurde während des Schmelzvorganges den Fahlerzen, die hauptsächlich Kupfer und Silber enthielten, Blei beigemengt. Dadurch gelang es, das Silber an das Blei zu binden und es gleichzeitig vom Kupfer zu lösen, dessen Schmelzpunkt nur geringfügig über dem des Silbers liegt. In einem zweiten Schmelzverfahren konnte dann relativ leicht das Silber vom Blei getrennt werden, da die Schmelzpunkte beider Metalle weit genug auseinander liegen.

Die “Radschleife” war ein einfaches Gefährt bestehend aus zwei Rädern, auf dessen mit einer Deichsel versehenen Achse , dem “Gerött”, zwei Gestänge am vorderen Ende befestigt waren, während das Hinterteil nur nachschleifte und somit eine bestimmte Bremswirkung erzeugte. Beide Gestänge waren mit einem Tuch überspannt. Darauf wurden die Erzsäcke geladen.

Nahe dem Haus “Wegscheide” bei der Ortseinfahrt von Mareit steht dieser Bildstock mit dem Bergmannszeichen aus dem Jahre 1537. Er dürfte früher am Rande des alten Erzweges auf der gegenüberliegenden Talseite gestanden haben und ist dann wahrscheinlich nach dem Bau der großen Erz-Übertage-Förderanlage (ab 1871) an die hier vorbei führende Untere Erzstraße versetzt worden. Diese nahm etwa 200 m westwärts beim unteren Mareiter Erzkasten (heute Sporthäuschen neben Fußballplatz) ihren Anfang und führte zum Bahnhof nach Sterzing.

Am 19. Dez. 1664 ersuchten die neun Bauern auf den Mairhöfen in Ridnaun den Erzherzog Sigmund Franz um die Wiederbestätigung ihres “Freiheitsbriefes”, welcher letztmals von Kaiser Rudolf II. am 28.11.1597 erneuert worden sei. Er besagt, dass sie jährlich sechs Fuder Salz (1 Fuder = 3 Zentner = 168 kg) aus dem Haller Pfannhaus frei beziehen dürfen. Dafür mussten sie aber um 18 Gulden die Pferde der Erzsamer das ganze Jahr weiden lassen, die Samer mit Kost, die Pferde mit Heu und anderem versorgen, wenn sie mit Erz vom Berg kamen. Vom Samer bekamen sie für eine Mahlzeit nur 5 Kreuzer, für das Übernachten und Füttern eines Pferdes ebenfalls 5 Kreuzer, für eine Fütterung zu Mittag 3 Kreuzer. Die Bittschrift kam zustande, weil der Salzmair in Hall beim Abholen der gewährten Fuder Salz immer wieder einen Aufschlag verlangt hatte. Der Freiheitsbrief wurde wieder erneuert, “confirmiert” und bestätigt.

Die Erfindung und Ausbreitung der Eisenbahn leitete eine Revolution im gesamten Transportwesen ein. 1867 fuhr sie erstmals auch über den Brenner. Es lag nun nahe, die Eisenbahn für den Erztransport ab Sterzing zu nutzen.

Im Zuge des beginnenden Zinkblendeabbaues am Schneeberg, wagten sich kühne Fachleute 1871 an den Bau der weltweit größten Erz-Übertage- Förderanlage auf Schienen, welche vom Bahnhof in Sterzing durch das Ridnaun- und Lazzacher Tal, durch den Kaindlstollen bis zu den tiefsten Gruben in Seemoos am Schneeberg führte. Sie war insgesamt über 27 km lang. Um die unterschiedlichsten Gebirgs- und Talformen, sowie die großen Höhenunterschiede (insgesamt 1.900 m) überwinden zu können, bestand sie aus 8 sogenannten “Bremsbergen” oder “Wassertonnenaufzügen”, auf denen die Erzwagen vom zweiten Wagen mit Gegengewicht über steile Hänge nach oben gezogen oder nach unten gebremst werden konnten. Die Bremsberge wurden, entlang den Berghängen, untereinander durch flache “Pferdebahnstrecken” verbunden.

Auf den ebenfalls 8 Pferdebahnen zog je ein Pferd 6 – 7 Erzwagen mit je 1 m3 Fassungsvermögen. An ausgeklügelten Stellen entlang der Strecke wurden massive Erzkästen zur Zwischenlagerung der Erze errichtet. So konnten auch nur Teile der gesamten Transportanlage, je nach Jahreszeit, in Betrieb genommen werden.

In Sterzing übernahm die Eisenbahn die Fracht und brachte sie mit relativ geringem Kostenaufwand zur Schmelzhütte in Cilli (heute Celje in Jugoslawien), wo gleichzeitig mit dem Bau der Übertage-Förderanlage am Schneeberg von der k.k. Bergwerksverwaltung eine Hütte zum Schmelzen der Zinkerze vom Schneeberg, von Klausen und Raibl errichtet worden war.

Die gesamte Übertage-Förderanlage wurde in beeindruckendem Trockenmauerwerk aufgeführt und war von 1874 bis 1925 in Betrieb, mit Ausnahme des jüngeren Seemooser Wassertonnenaufzuges, auf welchem bis 1967 das Erz zur Materialseilbahn nach St. Martin befördert wurde.

Die aufgelassene Anlage stellt heute ein einmaliges Bodendenkmal dar und ist vom Schneeberg bis nach Mareit gut sichtbar. Ein markierter Lehrpfad wurde darauf angelegt. Der Maierner Bremsberg und der Seemooser Wassertonnenaufzug werden in den kommenden Jahren in der ursprünglichen Form wieder hergestellt.

Die Bremsberge bzw. Wassertonnenaufzüge funktionierten mit Gegenfracht. Auf Passeirer Seite mußte das Erz von Seemoos bis zum Kaindlstollen auf 2530 m gehoben werden. Als Gegengewicht in den dreieckig konstruierten Fahrgestellen aus Eisenblech, auf welchen die beladenen Erzhunte fixiert waren, kam nur Wasser in Frage, welches in einer aufwändigen Wasserleitung vom mühsam aufgestauten Schneeberger Schwarzsee auf 2.600 m an die Bergstation des 14-Nothelfer-Aufzuges geleitet und von dort verteilt wurde.

Auf Ridnauner Seite, wo die Erzwagen zu Tal gebremst werden mußten, hat man hingegen Wasser nur in Ausnahmefällen als Gegengewicht verwendet. In doppelt genutzten Gegenfrachten kamen damit sämtliche Versorgungsgüter auf den Berg.


Die Seilbahn

Als nach dem erst Sie liess von 1924 bis 1926 eine Materialseilbahn errichten, wobei die grundlegenden Erfahrungen in dieser neuen Transporttechnik während des 1. Weltkrieges in der Dolomitenfront gesammelt worden waren.

Die Materialseilbahn führte von St. Martin am Schneeberg über die 2.700 m hohe Schneebergscharte ins Lazzachertal. Im Berghang, gegenüber dem Poschhaus, war eine Umlenkstation notwendig, welche die Aufbereitung in Maiern anpeilte.
Geplant war sogar die Weiterführung der Seilbahn bis zum Bahnhof in Sterzing, gebaut wurde dann allerdings nur der Abschnitt von Maiern nach Mareit, wo die Fracht der Seilbahngondeln in den bereits bestehenden Mareiter Erzkasten, der am Fuße des Mareiter Bremsberges – etwa beim heutigen Fußballplatz – stand, entleert wurde.

Später baute man die Talstation mit einem geräumigen Erzsilo auf dem Hügel gegenüber vom Schloss Wolfsthurn. Anfangs musste der Weitertransport nach Sterzing noch mit Fuhrwerken bewerkstelligt werden, nach dem 2. Weltkrieg übernahmen Lastwagen diese Aufgabe.

1965 war der Bau der heutigen Landesstraße bis zum Talende bei Maiern abgeschlossen. Die Lastautos holten ab jetzt das Blei- und Zinkkonzentrat in Maiern ab und brachten es meist direkt zu den Schmelzwerken in Oberitalien oder im Ausland. Der entsprechende Seilbahnabschnitt wurde abgetragen. Sein Verlauf mitten durch das Ridnauntal über den St. Laurentius- und Magdalenenhügel hinweg war noch viele Jahre danach als breiter, brauner Streifen sichtbar, da der Boden durch das Bleikonzentrat, das aus den Gondeln gefallen war, schwer belastet blieb. Heute sieht man noch deutlich die Schneise im Wald nahe der Magdalenakirche.

Durch die Seilbahn wurde der Erztransport wesentlich beschleunigt. Lediglich 70 Minuten brauchte eine Gondel von St. Martin nach Maiern. Ein Schienenhunt benötigte vorher auf der Übertage-Förderanlage mindestens 3 Stunden, ein ursprüngliches Erz - Saumtier an die 6 Stunden.

Durch die Inbetriebnahme der Seilbahn wurde zum ersten Mal ein ganzjähriger Erztransport vom Schneeberg möglich, wenn auch im Winter Schneestürme, Neuschneemengen und Lawinenabgänge für lästige Unterbrechungen sorgten und Mensch und Material vor größte Herausforderungen stellten.

1985 wurde das ursprüngliche technische Wunderwerk der Umlaufbahn zusammen mit der Verladestation am Schneeberg sinnloserweise abgetragen und dem Erdboden gleichgemacht.


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